Das richtige Gespür für gute Lebensmittel
Johanne Cent ist Deutsche Vizemeisterin im Handwerk geworden
Was darf’s denn sein? Etwas Herzhaftes fürs Brot, küchenfertige Rouladen, wenn’s mal wieder schnell gehen muss, oder ein großes Stück vom Käse – an der Frische-Theke kennt Johanne Cent sich richtig gut aus. Zwar war die heute 25-Jährige schon immer mit viel Freude während ihrer Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Fleischerei, in einem Wilhelmshavener Rewe-Markt dabei, aber dass sie einmal Deutsche Vizemeisterin im Handwerk werden würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Und überhaupt: Ihren Einstieg in die Berufswelt hatte sie sich eigentlich anders vorgestellt.
Theke statt Wirtschaft
2020 hatte sich Johanne Cent an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven für Wirtschaft eingeschrieben. Doch nach nur zwei Wochen Präsenz sorgte Corona für einen Studienalltag im Homeoffice – mit all seinen unerfreulichen Nebenwirkungen. Technische Schwierigkeiten, der fehlende persönliche Kontakt zu anderen Studierenden und einen Nebenjob, den es nun nicht mehr gab, waren einige davon. Schnell traf die gebürtige Emderin die Entscheidung, sich umzuorientieren – auch aus finanziellen Gründen.
Da sie gerne mit Menschen zu tun hat und viel Zeit in ihrer Küche verbringt, stand für sie das Lebensmittelhandwerk an oberster Stelle. Auf den Karrierewebseiten verschiedener Märkte wurde sie fündig. „Der Rewe-Markt von Familie Schulze hat sich sehr schnell gemeldet und gefiel mir auf Anhieb. Im Gespräch ging es auch in Richtung Servicetheke, was ich mir sehr gut vorstellen konnte. Dort erwirbt man sehr viel grundlegendes Fachwissen.“
Feine Salate und ein guter Braten
„Natürlich muss man ein Händchen fürs Verkaufen haben und voll hinter einem Naturprodukt wie Fleisch und Käse stehen. Es braucht ein allgemeines Faible für gute Lebensmittel“, sagt Johanne Cent. Als leidenschaftliche Hobby-Köchin zaubert sie manchmal sogar mehrmals am Tag etwas Leckeres. Und nun eben auch im Rewe-Markt, wo die Zubereitung von Salaten, Braten und anderen Kleinigkeiten dazugehört. Schinken, Bauch oder Keule – über die Besonderheiten der einzelnen Bestandteile muss man als Fachverkäuferin Bescheid wissen.
„Aber auch, wie man beispielsweise ein Kotelett vom Fleisch lösen und für den Verkauf ansprechend präsentieren können, oder einen schönen Rollbraten zubereitet. Außerdem ist es sehr gut, wenn ich den Kunden etwas empfehlen und vielleicht sogar ein schönes Rezept mit auf den Weg geben kann.“ Nach ihrer verkürzten zweieinhalbjährigen Ausbildung hat sie weitere Erfahrungen an einem anderen Rewe-Standort in Wilhelmshaven gesammelt, nun ist sie beim Rewe in ihrer Heimat Emden angekommen. „Was mir auch sehr gut gefällt, sind die vielen Fortbildungsmöglichkeiten, beispielsweise zur Sommelière für Käse.“
In den Prüfungen durfte sie unter anderem dekorative Catering-Platten präsentieren sowie einen Salat nach eigenem Rezept. „Ich habe mich, da meine Familie ursprünglich aus der Sowjetunion kommt, für einen Kartoffelsalat nach russischer Art entschieden: Der klassische Salat wird ergänzt durch Erbsen, frische Möhren und Salatgurken. Alles wird ganz fein gewürfelt, was zwar viel Arbeit macht, aber auch sehr lecker ist.“
Zur Person ...
Von Oldenburg nach Dresden
Als Beste der Handwerkskammer Oldenburg qualifizierte sich Fleischereifachverkäuferin Johanne Cent für den Landeswettbewerb Niedersachsen/Bremen. Als sie auch dort den Sieg einheimste, ging es nach Dresden zum Bundeswettbewerb, wo sie ihre Fachkenntnis und Kreativität weiter unter Beweis stellen konnte.
Von Melanie Jülisch