Olaf Scholz zeigt sich humorig und heimatliebend
Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein amtierender Bundeskanzler auf einem Volksfest, zwischen Autoscooter und Berliner-Bude, auftritt. Auf dem Stoppelmarkt in Vechta genauer gesagt noch nie. Bundeskanzler Olaf Scholz kam auf die Minute pünktlich mit seinem Helikopter Nähe des Amtmannsbults auf dem Stoppelmarktgelände an. Vechtas Bürgermeister Kristian Kater und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil standen bereit, es gab Rosinenstuten mit Schinken. Auf dem Stoppelmarkt herrschte bereits großer Trubel. Die Sonne strahlte und die Medienvertreter rangen um den besten Blick. Nicht alle waren mit Scholz Besuch einverstanden. So schrien zwei AfD-Mitglieder lauthals „Hau ab“ und „Lügenpresse“, man kennt es. Doch diese blieben hier die Ausnahme.
Nationales Kulturerbe
Olaf Scholz machte Halt an diversen Stationen, es gab kleine Leckereien, Bier und den Ausblick auf ein historisches Karussell. Im Niedersachsenzelt waren ca. 800 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unter einer hohen Sicherheitsstufe, überwacht von Polizei und BKA, konnte der traditionelle Montagsempfang starten. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil nannte den Stoppelmarkt ein „Konjunkturprogramm der guten Laune“ und „nationales Kulturerbe“, nachdem dieser nun auch auf Bundesebene angekommen sei.
Hanseatisches Temperament
Ist Olaf Scholz für seinen Humor bekannt? Eher nicht. Parteikollegen, wie Lars Klingbeil oder Boris Pistorius, hätten ihn vorbereitet: „Olaf, du musst ein bisschen lustig sein.“ Dabei sei er eher ein Schweiger als ein Redner. „Es war aber wirklich nicht leicht, mir den Ruf des überbordenden hanseatischen Temperaments zu erarbeiten“, scherzte Scholz.
Kein Platz für Miesepeter
Olaf Scholz wurde neben den humoristischen Einlagen aber auch inhaltlich. Er zeigte Verständnis für die Unsicherheiten in der Bevölkerung. Es gebe viele Baustellen, national wie international, und da dürfe man sich zurecht fragen, wohin das alles noch führe. „Machen wir uns aber nicht kleiner, als wir sind. Klar, dies alles benötigt Kraft, aber vieles davon haben wir schon bewältigt. Die Löhne und Renten steigen wieder, die Inflation sinkt. Es geht voran, aber nur zusammen, nicht alleine. Wir dürfen Missgunst und Miesepetrigkeit nicht Überhand gewinnen lassen“, so Olaf Scholz. Er mahnte an, sachliche Debatten zu führen und sich nicht von Emotionen leiten lassen.
Migration wichtig für den Arbeitsmarkt
„Was wären in den Mastbetrieben, in den Krankenhäusern, den Pflegeheimen oder dem Bauwesen ohne unsere Mitmenschen mit Migrationshintergrund“, fragte Bundeskanzler Scholz. Er wolle sich dies nicht vorstellen. Zuwanderung sei wichtig für den Arbeitsmarkt, auch wenn im Landkreis Vechta nahezu Vollbeschäftigung herrsche. Niedersachsen sei das Energieland Nummer 1, das Oldenburger Münsterland bezeichnete Olaf Scholz auf Agrartechnologisches Silicon Valley. Potenzial also für viele neue Arbeitsplätze „Das liegt am Fortschritt, dass eben nicht alles so geblieben ist, wie es immer schon war. Danke Oldenburger Münsterland.“ Der Schlüssel für einen funktionierenden Arbeitsmarkt sei ihn eine kontrollierte Zuwanderung, bei gleichzeitiger Bekämpfung irregulärer Migration. „Diese wir schon deutlich gesenkt“, so Olaf Scholz.
Von Andreas Unterberg