Alina Bock steht im ihrem Bühnenoutfit auf der Bühne und hält ein Mikrofon in der Hand.

Alina Bock ist Viele

Alina Bock über Kindheit, Popstars, Comedy und ihr Doppelleben zwischen L.A. und Deutschland

Von Andreas Unterberg

Alina Bock wollte schon immer auf die Bühne. Sie begann ihre Karriere im Rampenlicht als Mitglied der Popband beFour (2007–2010). Nach dem Ende der Band verschlug es sie 2012 nach Los Angeles, wo sie sich zur Schauspielerin und Comedienne weiterbildete. Sie begeistert mit witzigen und zugleich pointierten Charakteren auf TikTok, Instagram und in Live-Shows, oftmals in deutscher wie englischer Sprache. Insgesamt folgen ihr 3 Millionen Menschen. In ihrem aktuellen Programm „Vom Dorf nach Hollywood“ führt sie ihr Publikum durch ihre ganz persönliche Reise: von kleinen Anfängen zu großen Träumen. In Interview im ostfriesischen Aurich konnten wir mit ihr sprechen.

Alina, du kommst aus Zweibrüggen, einem kleinen Ort in NRW. Was hast du aus deiner Kindheit mitgenommen, das dich bis heute prägt?

Ich bin in Übach-Palenberg aufgewachsen, genauer gesagt in Brachelen und später in Übach. Das ist da in der Ecke Heinsberg, direkt an der holländischen Grenze. Ganz viel davon taucht in meinen Figuren auf. „Bettina und Ute“ – meine Gossip Queens – sind zum Beispiel stark inspiriert vom typischen Dorftratsch. Natürlich ist das überzeichnet, aber das ist Comedy ja immer. Wenn ich heute mal wieder zu Hause bin und meine Mutter mit ihren Freundinnen reden höre, denke ich sofort: Das ist pures Futter für meine Charaktere! Ich mache mich nicht über Menschen lustig, sondern spiegle einfach, was ich beobachte.

Hättest du als Teenager gedacht, dass du mal in Los Angeles leben wirst?

Nie im Leben. Jetzt mit 40 kann ich die Punkte verbinden – damals nicht. Ich habe schon als Teenager Witze gemacht, Akzente nachgeahmt, kleine Sketchshows mit Freunden aufgeführt. Ich wollte immer auf die Bühne, aber das war nicht greifbar als Beruf. Und dann kam das Casting für beFour – und plötzlich war ich mittendrin. Rückblickend war das so der erste große Schritt in diese ganze verrückte Richtung.

Wie hast du den Einstieg in die Popwelt mit beFour erlebt? Und wie schaust du heute auf diese Zeit zurück?

Ich wollte einfach auf die Bühne, egal ob als Schauspielerin oder Sängerin. beFour war für mich der Startschuss in dieses Leben als Künstlerin. Es war eine tolle Zeit – super intensiv, aber wunderschön. Wir haben so viel erlebt, getourt, Interviews gegeben, Fotoshootings gehabt. Christian Geller hat alle Songs geschrieben. Die Hits sind bis heute da. Magic Melody werde ich wahrscheinlich noch summen, wenn ich mit 90 Demenz habe.

Auch das Styling war besonders. Wir hatten diese grauen Schuluniformen mit weißen Hemden drunter – maßgeschneidert. Das war die Zeit von High School Musical, und kleine Kinder dachten wirklich, wir wären Vanessa Hudgens und Ashley Tisdale. Wir haben dann immer gesagt: „We wish – aber nein, wir sind die deutsche Version davon!“

2012 bist du nach Los Angeles gezogen. Wie schwer war es, in einer ganz neuen Szene Fuß zu fassen?

Oh, das war richtig hart. Ich habe zehn Jahre lang gekellnert – in Restaurants, Bars, Comedy-Clubs. Ich habe wirklich alles gemacht: Produktionsassistentin, Drehbuchübersetzerin, Wanderguide zum Hollywood-Zeichen, Background Actor. Alles, womit man überleben kann. Schauspielunterricht, Headshots, Castings – das kostet ja alles Geld. Das war eine richtige Schule des Durchhaltens. Aber ich habe dort Comedy gelernt – und in den USA ist das alles viel durchlässiger. Comedy, Schauspiel, Content Creation – das gehört zusammen. Hier in Deutschland wird das oft getrennt, aber dort ist das völlig normal.

Wie sieht dein Leben in L.A. heute aus?

Ich habe da meinen Lebensmittelpunkt, aber arbeite in beiden Welten. Ich trete in Theatern auf, mache Castings, und jetzt im Sommer war ich einen Monat in Montana, da habe ich einen Horror-Comedy-Film gedreht. Der kommt nächstes Jahr ins Kino – hoffentlich auch in Deutschland. Früher habe ich auch Werbespots gemacht, Kurzfilme, einen Apple-TV-Film (Mark, Mary and Some Other People) und viele Pilotprojekte. So langsam kommt Bewegung rein. Ich habe zwei Agenten – einen für Schauspiel, einen für Werbung – und das ist mein Hauptziel: weiter Filme und Serien zu machen.

Du hast in der Pandemie Comedy auf TikTok und Instagram gemacht – war das eher ein Experiment oder ein geplanter Schritt?

Das war gar nicht geplant. Ich habe damit während der Pandemie angefangen – und zwar auf Englisch. Ich hatte gar keinen deutschen Kanal. Mein Publikum war amerikanisch. Da ging’s dann auf TikTok plötzlich durch die Decke – mit dem 90s Girl.

Ich habe über meine Jugend geschrieben, aber ohne zu sagen, dass ich aus Deutschland bin. Irgendwann dachte ich: Ich mache einfach einen separaten Kanal für meine deutschen Ideen, weil die Amerikaner das ja gar nicht verstehen würden. Und das hat hier super funktioniert.

Was ist dir bei deinem Online-Content besonders wichtig? Lachen, Haltung, Identifikation?

Ich will nie Witze auf Kosten anderer machen. Ich finde, man muss nicht über Menschen lachen, die weniger privilegiert sind als man selbst. Ich will klug schreiben, nicht billig. Ich brauche keinen leichten Lacher unter der Gürtellinie. Wenn ich über ernste Themen rede, dann reflektiert – nicht herablassend. Und mir ist wichtig, dass Humor und Haltung zusammengehen.

Was war der schönste Moment deiner bisherigen Karriere – und was der schwierigste?

Ich habe in Alsdorf gespielt – direkt neben Übach-Palenberg. Das war wie ein Heimspiel. Meine Mutter, mein Bruder, meine Tante, mein Onkel, mein Pädagogiklehrer, meine alte Englisch-Lehrerin – alle waren da. Ich konnte meiner Mutter auf der Bühne danken. Sie war alleinerziehend mit drei Kindern, und es war nicht immer leicht, aber sie hat uns Humor und Musik geschenkt. Das war ein sehr emotionaler Moment.

Die schwierigsten Momente waren all die Jahre, in denen ich gekellnert habe, weinend nach Hause ging und trotzdem am nächsten Tag weitermachen musste. Ich wurde oft belächelt, wenn ich sagte: „Ich gehe nach Hollywood.“ Viele sagten: „Mach doch was Vernünftiges!“ Aber ich habe durchgehalten. Und heute stehe ich auf der Bühne – mit meiner eigenen Show. Das ist mein persönlicher Take that-Moment.