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Meetings im Dauerstress

Termine blockieren kreatives Arbeiten

Es ist eine bittere Wahrheit des modernen Arbeitslebens: Kalender, die aussehen wie Tetris-Highscores, und ein Meeting, das das nächste jagt. Besonders im Fadenkreuz der Kritik stehen dabei die regelmäßig wiederkehrenden Jour Fixes. Obwohl sie eigentlich der Abstimmung und dem Teamgeist dienen sollen, werden sie zunehmend als Belastung empfunden und in der New Work Bewegung als kritisch empfunden. Doch ist es wirklich sinnvoll, diese Form der Zusammenarbeit radikal abzuschaffen? Oder liegt die Lösung in einer kritischen Überarbeitung der Meetingkultur? Die Lösung liegt wahrscheinlich in der Mitte und kommt auch sehr auf die Art des Berufes an.
Die Debatte über die Sinnhaftigkeit von Jour Fixes ist nicht neu. Während einige Stimmen argumentieren, dass diese Regeltermine ineffizient und überflüssig sind, sehen andere darin einen unverzichtbaren Bestandteil moderner Zusammenarbeit. Klar ist: Es gibt zu viele schlecht geplante Meetings, die mehr Energie rauben, als sie Nutzen bringen. Gut geplante Meetings ersparen wiederum aber auch Zeit, im, Gespräch zu bleiben ist per se nichts Schlechtes.

Zeitfresser mit Strukturproblemen

Ein zentraler Kritikpunkt an Jour Fixes ist ihre oft mangelnde Effizienz. Statt klarer Ziele und einer stringenten Agenda herrscht häufig Chaos. Strategische und operative Themen werden wild durcheinandergeworfen, ohne dass ein konkretes Ergebnis erzielt wird. Solche schlecht geführten Sitzungen vergeuden nicht nur wertvolle Arbeitszeit, sondern frustrieren die Teilnehmenden.
Besonders kritisch wird es, wenn Regeltermine zur reinen Routine werden – ein To-do im Kalender, das man pflichtbewusst „abarbeitet“, ohne wirklich Sinn oder Mehrwert zu erkennen. Solche Meetings entziehen den Mitarbeitenden nicht nur Zeit, die sie produktiver nutzen könnten, sondern rauben ihnen auch die Motivation. Die Lösung, so Kritiker, liegt in einer rigorosen Reduktion: Jours fixes streichen, spontane und fokussierte Besprechungen etablieren.

Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg

Die Vertreter dieser radikaleren Ansätze betonen, dass flexible, asynchrone Kommunikation den neuen Arbeitsrealitäten besser gerecht wird. Moderne Tools ermöglichen es, Informationen effizient zu teilen, ohne alle Beteiligten in einem Raum – physisch oder virtuell – zu versammeln. Besonders in hybriden oder remote arbeitenden Teams könnten fixe Termine schnell zur „digitalen Kette“ werden, die Flexibilität und Kreativität erstickt.
Dennoch bleibt die Frage, ob dieser Ansatz nicht zu kurz greift. Schließlich bieten regelmäßige Meetings auch Gelegenheit, soziale Bindungen zu stärken und Teamdynamiken zu fördern. Eine Meeting-Kultur, die ausschließlich auf spontane Abstimmungen setzt, könnte langfristig zu Isolation und Orientierungsverlust führen.

Reform statt Radikalität

Ein weniger radikaler, dafür aber konstruktiver Ansatz ist die Reform der Meetingkultur. Eine klar definierte Agenda, realistische Zeitlimits und die Bereitschaft, unnötige Punkte zu verschieben, könnten Jour Fixes aus ihrer Sackgasse führen. Es braucht Führungskräfte, die den Überblick behalten, Diskussionen zielgerichtet moderieren und dabei auch stillere Stimmen einbinden.
Hybride Meetings stellen hier besondere Herausforderungen. Es muss sichergestellt werden, dass alle Beteiligten – egal ob vor Ort oder online – gleichberechtigt eingebunden sind. Mit den richtigen Regeln und technischen Hilfsmitteln können Jour Fixes nicht nur effizienter, sondern auch inklusiver gestaltet werden.

Die unsichtbare Seite der Zusammenarbeit

Trotz aller Kritik bleiben Jour Fixes wichtig, um den „Stallgeruch“ eines Unternehmens zu vermitteln. Besonders neue Mitarbeitende profitieren davon, ihre Kolleg:innen regelmäßig zu sehen und die Unternehmenskultur besser zu verstehen. Spontane Abstimmungen können dies nur schwer ersetzen. Synchroner Austausch bietet eine Plattform, um Missverständnisse zu klären und gemeinsam an kreativen Lösungen zu arbeiten.
Die Herausforderung liegt darin, den schmalen Grat zwischen notwendiger Abstimmung und überflüssiger Belastung zu finden. Es gilt, Routinen zu hinterfragen und Meetings dort abzuschaffen, wo sie wirklich überflüssig sind – aber gleichzeitig nicht zu vergessen, dass gut geführte Jour Fixes ein wertvolles Instrument für Teamarbeit und Unternehmenskultur sein können.

Von Andreas Unterberg