ANDREAS UNTERBERG

Wie stellt sich die aktuelle Situation des Fachkräftemangels in Oldenburg dar?

AGENTUR FÜR ARBEIT OLDENBURG-WILHELMSHAVEN

Wie bundesweit ist auch im Bezirk der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven der Fachkräftemangel zu spüren. Die Unternehmen halten aber vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ihre eingearbeiteten Mitarbeiter und wir haben trotz der Wachstumsschwäche mehr als 294.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der angegebenen Region.

In welchen Branchen in der Region ist der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt?

Beispielsweise in den Pflegeberufen ist die Arbeitssuchend-Stellen-Relation im noch jungen Jahr 2024 bei 0,6 Arbeitssuchenden pro Stelle, der Fachkräftemangel also hoch. Die Arbeitslosen-Stellen-Relation liegt sogar nur bei 0,3 Personen pro Stelle. Mechatronik und Elektroberufe sowie Hoch- und Tiefbau sind hier ebenfalls zu nennen.

Welche Hauptursachen sieht die Agentur für den aktuellen Fachkräftemangel?

Digitalisierung, Automatisierung, Demographischer Wandel sind die großen Stichworte, die eine Rolle spielen.

Gibt es Initiativen oder Programme, um die Ausbildung in Mangelberufen attraktiver zu gestalten?

Die Agentur für Arbeit nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dabei sind die generellen Handlungsfelder: Schulabgänge ohne Abschluss reduzieren, Ausbildungs- und Studienabbrüche reduzieren, Automatisierung und Digitalisierung begleiten, Erwerbsbeteiligung von älteren Menschen (über 55 Jahre) erhöhen, Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen/Möglichkeiten der Teilzeitarbeit erweitern, Einwanderung von Fachkräften, Erhöhung der Anzahl von Aus- und Weiterbildungen/Qualifizierungen und Verbesserung der Arbeitsmarkttransparenz. Dazu nutzt die Agentur verschiedene spezialisierte Teams wie die Qualifizierungsberatung, ihre Berufsberatung oder die Berufsberatung IM Erwerbsleben.

Gibt es spezielle Programme oder Anreize, um ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen?

Mit dem so genannten JobTurbo bündelt die Agentur für Arbeit ihre Kräfte um eingewanderte Menschen möglichst schnell und zielgerichtet in Arbeit zu bringen.  Außerdem gibt es Unterstützung durch unsere Zentrale Auslandvermittlung (ZAV) und die so genannten Incoming-Expertinnen und -Experten aus unseren Arbeitgeber-Service-Teams.

Welche Maßnahmen ergreift die Agentur für Arbeit, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen?

In allen vorhin genannten Handlungsfeldern (Schulabgänge ohne Abschluss reduzieren, Ausbildungs- und Studienabbrüche reduzieren, Automatisierung und Digitalisierung begleiten, Erwerbsbeteiligung von älteren Menschen (über 55 Jahre) erhöhen, Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen / Möglichkeiten der Teilzeitarbeit erweitern, Einwanderung von Fachkräften, Erhöhung der Anzahl von Aus- und Weiterbildungen/ Qualifizierungen und Verbesserung der Arbeitsmarkttransparenz) setzt die Agentur für Arbeit an um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Arbeitsmarktberatung, Qualifizierung, Unterstützung bei der Suche nach und während einer Ausbildung sind Kernaufgaben unserer täglichen Arbeit. 

Wie unterstützt die Agentur Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften?

Unsere Arbeitgeber-Services und die gemeinsamen Arbeitgeber-Services zusammen mit den Jobcentern beraten Unternehmen, sowohl zum Arbeitsmarkt als auch zu Möglichkeiten der Qualifizierung im Unternehmen. Außerdem gibt es Fördermöglichkeiten zur finanziellen Unterstützung von Betrieben, sowohl während Qualifizierungen ihrer Mitarbeitenden als auch beispielsweise mit dem sogenannten Eingliederungszuschuss. 

Wie schätzt die Agentur die Entwicklung des Fachkräftemangels in den kommenden Jahren ein?

Ein Blick in die Glaskugel ist schwierig und es spielen viele Faktoren eine Rolle. Es lässt sich aber sagen, dass die Flaute der deutschen Wirtschaft wohl noch weiter anhalten wird und sich deshalb auch die Stimmung der Unternehmen nicht bessert. Der Arbeitsmarkt dürfte sich daher kurzfristig nicht auf einen breiten Erholungspfad begeben. Und dennoch, wie bereits erwähnt: die Unternehmen halten aber vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ihre eingearbeiteten Mitarbeitenden. Eine gravierende marktbedingte Verschlechterung zeichnet sich weiterhin nicht ab.

Können Sie Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen oder Projekte nennen, die den Fachkräftemangel effektiv angegangen sind?

Jede Förderung der beruflichen Weiterbildung, jede Qualifizierung vor Arbeitsaufnahme oder in einem Unternehmen und jede erfolgreich abgeschlossene Ausbildung sind positive Beispiele. Weiterhin sind unsere Messen und Veranstaltungen, auf denen wir die Möglichkeit des direkten Austausches zwischen Arbeitgebenden und Arbeitssuchenden bieten gute Projekte, die dem entgegenwirken. Am 14. März 2024 fand beispielsweise in der Nordseepassage in Wilhelmshaven eine Messe „EnergyUp“ statt, die die Energie-Berufe in den Mittelpunkt stellte. Von 10 bis 15 Uhr stellten sich die Wirtschaftsförderung Wilhelmshaven, die Berufsberatung vor dem und im Erwerbsleben, sowie verschiedene Betriebe vor. Auch über Qualifizierungsmöglichkeiten wurde informiert.

Wie informiert die Agentur für Arbeit die Öffentlichkeit über den Fachkräftemangel und mögliche Lösungsansätze?

Wir planen und führen Veranstaltungen und Messen durch, informieren auf unseren öffentlichen Auftritten und Internetseiten und in unseren Beratungen in den Unternehmen und auch bei uns im Haus über (individuelle) Fördermöglichkeiten.