GezeitenWechsel | Q3
Q3 – 2024
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EIN INTERVIEW

„Weibliche Führung ist häufig innovativer, lösungsorientierter und nahbarer“, sagt Nahid Chirazi.

Seit dem 01. Januar 2012 ist Nahid Chirazi Geschäftsführerin der Delme-Werkstätten. Mit ihr konnten wir über Frauen in Führungspositionen sprechen.

Wie wichtig ist Ihnen die Besetzung von Frauen in Führungspositionen? 

Ich bin davon überzeugt, dass Teams und Organisationen grundsätzlich von der Diversität innerhalb von personellen Strukturen stark profitieren. Insofern sind gemischte Teams und eben auch sowohl weiblich als auch männlich besetzte Gremien und Hierarchieebenen besonders wesentlich. Weibliche Führungskräfte greifen auf andere Kompetenzen zurück als männliche Führungskräfte. Faktisch geht es also neben der originären eigenen Profession um die Führungsqualitäten einer Führungskraft. Dennoch ist es leider nach wie vor schwierig - aus unterschiedlichen Gründen - weibliche Führungskräfte zu finden.

Welche Vorteile bietet eine weibliche Führung?

Häufig haben weibliche Führungskräfte einen leichteren Zugang zur Kommunikation und somit zur notwendigen Motivation und Strukturkommunikation, die für Teams und Einzelpersonen zur Nutzung derer Ressourcen und Möglichkeiten notwendig sind. Weibliche Führungskräfte haben häufig eine höhere Kapazität Sachverhalte und Herausforderungen auf der Metaebene zu analysieren und lösungsorientiert bearbeiten zu können. Frauen fällt es oft leichter, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sie sind häufig eher in der Lage, Fähigkeiten und Ressourcen von Mitarbeitenden zu erkennen, sie zu fördern und für das Team bestmöglich einzusetzen.

Weibliche Führungskräfte bringen einen modernen Führungsstil mit, der oft einfühlsamer, sich auf Mentoring und Beratung des Teams bezogen, gestaltet. Das steigert nicht nur die Arbeitseffizienz und Produktivität eines Teams, sondern führt auch zu zufriedeneren Mitarbeiter:innen und motivierteren Teams.

Wie schwer ist es, sich als Frau in Führungspositionen zu behaupten?

Dies ist sicherlich keine generell zu beantwortende Frage, sondern wird eben von Frau zu Frau sehr subjektiv erlebt und auch dann in der Reaktion unterschiedlich agiert. Insgesamt ist allerdings nach wie vor festzustellen, dass insbesondere Führungspositionen häufig selbstverständlich als Vollzeittätigkeiten besetzt werden. Nach wie vor befinden sich allerdings mehr Frauen in Teilzeitanstellungen als in Vollzeitanstellungen und nach wie vor ist es für Frauen mit Familie / Kindern/ zu pflegenden Eltern etc. häufig schwerer eine Vollzeitstelle zu bekleiden, da die Familiencarearbeit eben noch nicht paritätisch ausgeübt wird. Insofern haben Frauen in Führungspositionen oftmals schon die Herausforderung zu bewältigen, die berufliche Tätigkeit mit dem Privatleben in Einklang zu bringen.

Darüber hinaus sind Organisationen und Prozesse nach wie vor stärker männlich strukturiert. Diese Strukturen aufzubrechen und zu transformieren ist - insbesondere in bisher sehr hierarchisch organisierten Unternehmen – eine große Herausforderung für Frauen in Führungspositionen.

Wesentlich ist jedoch stets als Führungskraft, unabhängig des Geschlechts, die Freude an der Führung und Potentialentwicklung von Mitarbeitenden zu haben und die Begeisterung für die Entwicklung eines gemeinsamen unternehmerischen Vorgehens und der Verbesserung der Unternehmensleistung täglich als eigenen Antrieb in das Arbeitsfeld mitzubringen.

Mehr Informationen über die Delme-Werkstätten findest du hier.


Das Interview führte Andreas Unterberg