Zwischen Gouda-Blokjes und Festungs-Flair
Niederlande lohnt sich immer – ich sage Ihnen warum
Ganz in Grenznähe zu den Niederlanden zu leben, hat viele Vorteile. Ein anderes Land, eine andere Sprache, eine andere Kultur in greifbarer Nähe. In den Niederlanden sind fast jeder Sonntag und fast jeder Feiertag verkaufsoffen. Nur am 1. Weihnachtsfeiertag, Ostersonntag, Pfingstsonntag und an Neujahr sind die Läden geschlossen. Guter Grund für so manchen Sonntagsbummel, wenn einem mal die Decke auf den Kopf fallen sollte. Und natürlich: Auch ich fahre gerne nach Amsterdam, mache eine Grachten-Fahrt, fahre zur Tulpenblüte nach Lisse oder zur wirklich schönen Nordseeküste nach Bloemendaal aan Zee. Aber auch direkt hinter der niedersächsischen Grenze warten in den Niederlanden schöne Orte. Hier ein paar meiner Reise- und Kulinarik-Tipps für einen perfekten Tag. Und ja, die Niederlande sind für ihre Erfolge im Fußball bekannt. Oranje ist die Nationalfarbe, basierend auf historischen Verbindungen zum Königshaus Oranien-Nassau. Aber es gibt noch so viel mehr.
Das historische Noord-Holland in der Vesting Bourtange
Die Festung Bourtange in den Niederlanden ist ein einzigartiges Freilichtmuseum und ein beeindruckendes Beispiel für militärische Architektur des 16. Jahrhunderts. Die sternförmige Anlage wurde 1580 errichtet, um eine strategische Handelsroute zu kontrollieren. Heute ist die Festung ein beliebtes Reiseziel, das Besucher in eine längst vergangene Zeit entführt. Neben der historischen Umgebung bietet Bourtange spannende Museen, darunter Ausstellungen zur Baugeschichte und den militärischen Konflikten der Region. Zahlreiche Veranstaltungen wie Märkte, historische Nachstellungen und Führungen machen den Besuch zu einem Erlebnis für die ganze Familie. Die malerischen Kanäle, Brücken und Bastionen laden zu einem Spaziergang ein und lassen die Besucher die Atmosphäre des 16. Jahrhunderts hautnah erleben.







Skandinavisches Flair am Rande von Groningen
Die Studentenstadt Groningen mit seiner lebendigen Innenstadt, den vielen Geschäften und Cafés ist immer eine Reise wert. Doch auch am Stadt verbirgt sich ein besonderes Juwel. Der Stadtjachthafen Reitdiep ist ein farbenfroher, skandinavisch geprägter Hafen, der an der stehenden Mastroute liegt und sowohl Passanten als auch Dauergästen zahlreiche Annehmlichkeiten bietet. Der Hafen ist ideal für Motorjachten, Segeljachten und Schaluppen geeignet und verfügt über erstklassige Sanitäranlagen, eine Dieseltankstelle, WLAN sowie einen Fahrrad- und Schaluppenverleih. In unmittelbarer Nähe befinden sich Supermärkte, Geschäfte und ein internationales Restaurant, die den Aufenthalt besonders angenehm gestalten.
Borrelzeit: Kulinarische Stärkung mit Broodjes und Kaas
Zugegeben: Die niederländische Küche ist nicht die Leichteste. Vieles wird gerne frittiert. Käse-Soufflee, der Eier-Ballen (frittierte Fleischmasse mit einem gekochten Ei in der Mitte) die würzigen Kibbeling (frittierte Stücke vom Kabeljau) oder auch Bamischijf (panierte Pasteten mit Bami Goreng) und Kipcorn (stabförmige, frittierte und mit gehacktem Hähnchenfleisch gefüllte Snacks). Ich persönlich kann die Groninger Senfsuppe sehr empfehlen, mit Speckeinlage. Würzig, deftig und perfekt an kalten Tagen. Als großer Erdnussliebhaber darf bei mir überall auch Saté-Sauce dabei sein oder auch die Joppie-Sauce, eine Sauce aus Mayonnaise, klein gehackten Zwiebeln und Currygewürzmischung. Sie passt perfekt zu Pommes frites oder Frikandel. Loempia darf bei vielen Niederländern auch nicht fehlen. Was dem Deutschen seine Currywurst, ist dem Niederländer mittlerweile sein Loempia. Ähnlich der Frühlingsrolle, werden die Teigtaschen mit süß-saurerer Soße oder Soja-Soße gegessen. Zum Dessert esse ich sehr gerne eine Stroopwaffel (Waffel mit Karamellfüllung) oder Poffertjes (kleine Pfannkuchen mit Puderzucker und Butter). „Borrel“ nennen die Niederländer diese Art des Essens. Ein gemütliches Zusammenkommen, kleine Snacks mit belegten Broten und Käse-Häppchen, einfach eine gute Zeit. Das ist niederländische Esskultur.
Blauwestad: Blaues Juwel bei Winschoten
Blauwestad ist ein modernes Wohngebiet in der niederländischen Provinz Groningen. Das Gebiet umfasst etwa 1500 Häuser, die auf fünf Wohnbereiche verteilt sind: „De Wei“, „Het Riet“, „Het Park“, „Het Dorp“ und „Het Wold“. Die Grundstücke sind zwischen 700 und 7400 Quadratmeter groß, und die Häuser gehören meist, mit zwischen 250.000 und etwa einer Million Euro, den höheren Preisklassen an. Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der künstlich angelegte See „Oldambtmeer“. Das Projekt wurde 2005 von Königin Beatrix mit der Eröffnung der Wasserzufuhr eingeweiht, und 2007 wurden die ersten Häuser fertiggestellt. Blauwestad zielt darauf ab, die Wirtschaft in der strukturschwachen Region Ost-Groningen anzukurbeln, wurde jedoch auch von Kritikern, insbesondere der lokalen kommunistischen Partei, infrage gestellt.
Appingedam: Von besonderen Küchen und dem Dampsterdiep
Appingedam, die zweitälteste Stadt der Provinz Groningen, ist bekannt für ihre mittelalterlichen Stadtrechte und ihren historischen Reichtum. Besonders markant sind die „hängenden Küchen“, die als pragmatische Lösung über dem Wasser des Damsterdieps gebaut wurden. Diese einzigartigen Erker sind ein Wahrzeichen der Stadt und bieten einen besonderen Einblick in die Architektur und Geschichte. Die Altstadt von Appingedam lädt zu Erkundungen ein: Die romanogotische Nicolai-Kirche, das historische Rathaus und viele weitere Gebäude zeugen von der blühenden Handelsvergangenheit. Museen wie das Stadsmuseum Appingedam und die Groninger Zilverkamer mit ihrer Silberkollektion bieten zusätzlichen kulturellen Reichtum. Besonders lohnend ist eine Erkundung vom Wasser aus, etwa mit der Damster-Fähre oder einem Kanu.
Von Andreas Unterberg